Manuskriptauszüge

Draft

Das Mädchen mit dem blauen Daumen

Erotische Novelle

Szene

Unter der vielen Post stach ein Brief hervor. Die Adresse war handgeschrieben. Etwas persönliches oder ein cleverer Werbeschachzug? Kein Absender! Also wohl doch Werbung. Erst mal beiseite legen. Achtlos öffne ich die anderen Briefe, Rechnungen, eine Einladung zu einer Präsentation, wie immer das Übliche, nichts Privates. Aber da war er noch, der eine Brief. Der Umschlag, in cremeweißer Leinenstruktur, mit einer richtigen Briefmarke. Ein Hauch von Charme ging von ihm aus. Sehr persönlich, sagte mir der erste Eindruck.

Ein kritischer Blick auf die Schrift, geschrieben mit Füllfederhalter, schwungvoll, elegant. So als wollte mir der Absender sagen: Speziell für dich, nur für dich! Der Brief liegt normal in meiner Hand., doch ich spüre einen leichten Duft, herb, etwas ledrig. Nun ist meine Neugier endgültig geweckt! Mit dem Brieföffner reiße ich schwungvoll und in einem Strich die Kopfseite des Briefes auf. Nehme das Blatt heraus und falte es auseinander. Sand rieselt auf den Boden. Noch im Stehen lese ich, immer und immer wieder…

Ich muss mich hinsetzen, meine Knie fangen an zu zittern. Natascha! Ein Lächeln umspielt meinen Mund und setzt sich in meinen Augen fest. Erinnerungen werden wach, Jahrzehnte zurück. Schlagartig taucht ein Bild vor meinen Augen auf. Natascha und ich am Strand von Marbella, jeder das Gesicht des anderen in den Händen, um die Tränen aufzufangen. Zitternde Lippen, die sich aufeinanderpressen, Schenkel, die sich suchen, letzte leise Schreie der Lust. Abschied!

Sie hat mich gesucht, über all die Jahre, schreibt sie und mich  endlich gefunden. Wie? Das möchte sie mir selbst erzählen. Sie ist für ein paar Tage bei einer Freundin in Amsterdam und möchte mich unbedingt sehen. Die Tinte von ‚Komm bitte‘ ist verwischt. Von einer Träne? Der Sand in dem Brief soll mich an uns in Marbella erinnern.  Ich streiche ihn über meine feuchten Lippen, atme die Erinnerung an den Geschmack ihrer Haut.

Am Flughafen Dublin hat sie ein Ticket hinterlegt, nach Amsterdam. Dort würde mich ein Freund abholen und zu dem Haus ihrer Freundin bringen, Überraschung für mich inklusive! Ich soll mich verwöhnen lassen, alles genießen und dort auf sie warten. Vertrau mir, diese zwei Worte hat unterstrichen. Ich höre sie es förmlich sagen, mit diesem verschmitzten etwas rauchigen Tonfall. Und plötzlich ist sie wieder da, die Sehnsucht nach ihr, nach den saugenden Küssen auf meinem Schoss. Schnell lief ich zum Schrank, wühlte mich durch meine Schals, riss hastig alles heraus, der türkisfarbene Seidenschal, den ich in diesem Moment unbedingt haben wollte, war nicht dabei - dieser Schal der uns blind machte, wenn wir uns im gegenseitigen Vertrauen liebten. Ich zitterte vor Aufregung, fühlte plötzlich dieses unbändige Verlangen nach einer Berührung von dir. Langsam glitt meine Hand an mir nach unten. Ich kam der kleinen pulsierenden Kirsche immer näher und näher, bis endlich meine Finger sie fand. Das Spiel begann, erst noch verhalten, vorsichtig, mit zärtlichem Kreisen, ab und zu ein locken mir meinen etwas heftiger malmenden Fingern, ließen die unruhig werdende Kirsche hin und her springen. Sie wollte sich entziehen, doch ich ließ sie nicht flüchten, holte sie immer wieder zurück, Ich fing an vor Lust zu stöhnen. Ach Natascha, läge  doch jetzt deine Hand da, wo ich jetzt bin, ich ...............

 (c) 2018 Text and Photo by Eva Maria Brasseur  c.o. "Textschmiede"

Email

  • Facebook
  • Twitter
  • YouTube
  • Pinterest
  • Instagram